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Was in den letzten zwei Tagen an Lenny passiert ist

Von Marco/Claude an Chris, Stand 2026-08-13. Zeitraum: 11.08. 00:46 bis 12.08. 13:31 UTC — 53 Commits, 57 Dateien.

Der Bericht ist thematisch geordnet, nicht chronologisch. Alles mit Zahlen ist gemessen; wo etwas nicht gemessen ist, steht es ausdrücklich dabei.


1. Direkte Antworten auf deine Befunde

1.1 Der KPI war geschönt — behoben

Dein Einwand zur Relations-Vielfalt war berechtigt. /v1/kpi/relation_diversity lieferte pct_actional und verschwieg, wie viele dieser Kanten nach falscher Verbform aussehen. Jetzt kommen drei Felder mit:

pct_actional             2,41 %     (wie bisher)
pct_actional_wellformed  1,33 %     ← die eigentliche Kennzahl
actional_suspect_form    122 von 271

Fast die Hälfte der aktionalen Kanten ist formverdächtig. Der Report markierte wellformed intern längst als „← KPI", der Endpunkt lieferte sie nur nie aus: er baut seine Antwort aus einzeln aufgezählten Feldern, und dieses stand nicht in der Liste. Nichts wird abgezogen — suspect und wellformed stehen nebeneinander.

1.2 lenny_path — die Trennung, um die du gebeten hattest

Deine Unterscheidung „wer hat formuliert" gegen „welche Wissensbasis" ist umgesetzt. Das Feld steht im JSON, nicht im Antworttext — der Nutzer soll keinen Herkunftsvermerk lesen müssen.

Werte: det · mix · llm · interaktion · ungekennzeichnet · nachgekennzeichnet · leer. unknown gibt es nicht mehr.

Zwei Werte verdienen Erklärung:

  • interaktion — die Antwort behauptet nichts (Rückfrage, Bestätigung, ehrliche Absage). Eine fehlende Fußzeile ist hier korrekt.
  • nachgekennzeichnet — die Antwort war unmarkiert und wurde konservativ etikettiert. Das ist bewusst nicht det: der Ersatz-Footer lautet „Fragmentkandidat", und ohne eigenen Wert hätte die Kennung eine deterministische Herkunft behauptet, die niemand geprüft hat.

Das ist der Punkt, den du für deine Auswertung brauchst. Wir haben deine 63 Fälle einzeln durchgesehen:

n
Rückfragen, Bestätigungen, Absagen 37 behaupten nichts — zu Recht ohne Fußzeile
Messartefakt 24 haben die Herkunfts-Fußzeile sehr wohl
echte ungekennzeichnete Behauptungen 2

Bei den 24 steht als letzte Zeile die Warn-Fußzeile („Achtung: automatische Prüfung — diese Antwort wirkt fehlerhaft…"), die Herkunfts-Fußzeile eine Zeile darüber. Dein Klassifikator liest die letzte Zeile und sah nur die Warnung. Deine 11,2 % sind real etwa 6 % — in deinem eigenen JSONL nachprüfbar.

Über alle 560 Antworten aus Runde 2 ergibt die neue Kennung:

llm 62,9 % · mix 27,1 % · interaktion 8,8 % · det 0,5 %
nachgekennzeichnet 0,4 % · ungekennzeichnet 0,0 %

1.4 Der Gate-Effekt — du hattest recht, und zwar auf beiden Seiten

Marcos Vorgabe war: die Übertreibungsquote soll nach dem Output-Gate deutlich fallen, „falls nicht, wollen wir das wissen". Sie fällt nicht. Deine Zahlen haben wir exakt reproduziert (117 vor / 24 nach, 78 % → 71 %).

Dann die 17 einzeln gelesen. Sie zerfallen so:

n dafür ist das Gate …
Inhaltstiefe, Vereinfachung 6 nicht zuständig
Grammatik-Feinheiten („eine Zustand", „haftet") ~7 nicht sicher maschinell fassbar
mechanisch eindeutig 2 zuständig — und es griff nicht

Deine eigene Einschränkung war also berechtigt: dein Prüfer bemängelt inhaltliche Lücken, die das Gate nie fangen sollte. Aber die Gegenprobe war unangenehm: von den vier tatsächlich vorkommenden Fehlerklassen erkannte das Gate keine einzige.

Ergänzt haben wir nur das mechanisch Eindeutige:

  • title_cased — „Wenn Man Auf Eine Frage Nicht Antworte, Entsteht Ein Lück"
  • self_reference — „X wird mit X verbunden": trägt null Information und behauptet trotzdem geprüftes Wissen

Bewusst nicht gebaut, mit Begründung: zusammengeklebte Wörter („dasinternet") — eine Regel dafür trifft auch einfach, Dienstag, Diebstahl; Fremdwort-Erkennung für Einzelwörter („yet") — trifft Computer, Server, Team, Feedback. Beide würden mehr zerstören als retten.

Gemessen über alle 560: 0 Fehlalarme auf den 66 einwandfreien Antworten.

Restrisiko offen benannt: ~7 Fälle mit echten Grammatikfehlern bleiben unentdeckt. Die bräuchten ein Sprachmodell zur Prüfzeit.


2. Wahrheitstreue: fünf Stellen, an denen ein technischer Ausfall wie ein Ergebnis aussah

Das ist Lennys Kernregel — ein technischer Ausfall darf nie wie eine fachliche Entscheidung aussehen. Gefunden und behoben:

Symptom war in Wahrheit
„Judge lehnt ab" LLM-Timeout / Backoff
„im Artikel steht nichts" Parse-Fehler am Markdown-Codezaun
„Wert nicht gefunden" Umlaut-Schreibvariante in der Passagensuche
„Kandidat verworfen" DB-Lock beim Schreiben
Antwort ohne Herkunft Finalizer übersprungen

Dazu: /v1/patterns war immer kaputt (falscher Methodenname) und lieferte außerdem Muster ohne Token aus — beides behoben. Und beide Finalizer (streamend / nicht streamend) wenden jetzt dieselben Wachen an; vorher verpuffte auf sechs realen Antwortpfaden die gesamte Gate-Arbeit.


3. Neue Fähigkeit: Eigenschafts-Vererbung

A ist_ein B + B hat_eigenschaft E ⇒ A hat_eigenschaft E.

Flächig angewandt wären das 1.357 neue Eigenschaften — und Unsinn. Die Vererbung erfindet keinen Fehler, sie vervielfacht ihn: eine falsche ist_ein-Kante wird zu bis zu fünf Behauptungen (Karnevalsumzug ist_ein Stadt → baufällig, groß, laut, urban). Schlimmer: auch richtige Kanten erben Falsches, weil der Graph wesenhafte nicht von zufälligen Eigenschaften trennt (Hauptstadt ist_ein Stadt → baufällig).

Gelöst über eine Auszeichnung mit mechanischem Prüfkriterium:

E ist wesenhaft für B, wenn „X ist ein B, aber X ist nicht E" widersprüchlich ist.

Damit fällt Licht → sichtbar durch (Infrarot). Ergebnis: 1.357 → 104.

Die Kalibrierung kam aus dem Trockenlauf, nicht vom Schreibtisch — er fand drei übersehene Homonyme (Familie, Ordnung, Organ sind im Bestand überwiegend biologische Rangstufen) und widerlegte zwei unserer eigenen Auszeichnungen (Beziehung → wechselseitig: Teilmenge und Kausalität sind es gerade nicht).

Sichtbar geworden sind 18 — und zwar genau die vorhergesagten 18, keine falsche darunter. Karnevalsumzug, Tintenfisch, Flussdelta und Thermometer kommen nicht durch.

Wichtige Einschränkung, damit sie nicht überlesen wird: das ist eine Korrelation, keine Konstruktion. Junk-Begriffe sind schlecht vernetzt, weil sie Junk sind — das Stabilitäts-Tor prüft die Behauptung selbst nicht.


4. Aktionale Kanten — der Punkt, den deine Formen-Messung getroffen hat

Deine Tabelle war die klarste Aussage des ganzen Pakets:

Def („Was ist X?")   60,6 %      Ursache   20,0 %
Vergleich            26,4 %      Zweck      6,3 %
                                 Ablauf     0   %

Der Graph erdet Definitionen und sonst nichts. Die Null ist kein Fehler, sondern eine saubere Messung der Strukturgrenze — und sie sagt, wo es weitergeht: Ursache, Zweck, Ablauf. Genau dort fehlen die Kanten (1,33 % formsauber).

Die Ernte (offene Prädikate aus Wikipedia-Volltext, jedes Tripel gegen den Text zurückgeprüft) war deshalb der Schwerpunkt:

  • Parser-Fix: gemma verpackt JSON in einen Markdown-Codezaun. Das sah aus wie „nichts gefunden". 0 → 21 Tripel.
  • Richtungs-Prüfung als zweite Stufe gegen verdrehte Relationen.
  • Satz-Wachen: die Satzauswahl suchte den Begriff über einen 6-Zeichen-Teilstring — „Gespräch" traf damit Gesprächsleiter, Gesprächsorganisation, Gesprächswunsch. Daraus wurde „Gespräch trifft Entscheidungen" aus „der Gesprächsleiter trifft die Entscheidungen".
  • Subjekt-Wache: noch subtiler — „Die Eigenschaften eines Flusses hängen von Faktoren ab" ergab „Fluss hängen Eigenschaften". Genitiv und Präpositionalphrase nehmen den Begriff aus der Subjektrolle.
  • Prompt: verlangte für jeden Satz ein Tripel und nannte den Begriff als gesetztes Subjekt. Jetzt steht das Überspringen vor den Formatregeln.

Trefferquote gemessen: 8,9 % → 14,3 % → 19,4 %.

Recall-Preis der Satz-Wachen, an zehn echten Artikeln ohne Obergrenze gemessen: 1003 → 768 Sätze = 77 % behalten. Die verworfenen 23 % sind nachgeprüft ausnahmslos Komposita (Wildbienen, Knochenmark, Gesprächspartner) — Fakten über andere Begriffe.

Ein Ernte-Cron läuft seit dem 12.08. alle zwei Stunden. Ob er wirklich liefert, ist noch nicht bewiesen: zwei Testläufe ernteten 0 aus 6 Begriffen, weil der Job Begriffe ohne aktionale Kante zieht und die sperriger sind. Ausgangswert für den Vergleich: 271 aktionale Kanten, 149 formsauber.


5. Kandidaten-Sichtbarkeit: von Stunden auf Sekundenbruchteile

Ein Nebenbefund, der die ganze Kandidaten-Mechanik betraf. Ein frisch geschriebener Kandidat wurde bis zu 55 Minuten lang nicht einmal bewertet: der Stabilitäts-Pass schlief erst 30 min und rechnete dann über alle 13.400 Fragmente (>21 min). Nach jedem Deploy begann die Wartezeit von vorn.

Zwei Ursachen, beide gemessen:

  • compute_stability rechnet pro Begriff, wurde aber pro Fragment gerufen (Faktor 3,65).
  • _relation_in_degree lud für jeden Begriff alle Fragmente neu — rund 15 Millionen Deserialisierungen pro Zyklus.

Ersetzt durch eine Aggregation, deren Gleichheit vorher an 15 Stichproben am Live-Bestand geprüft wurde.

Sofort-Bewertung beim Schreiben   gab es nicht  →  0,6 s
periodischer Zyklus               >21 min       →  0,6 s

6. Sicherheit und Ordnung

  • admin_ui: Auth für alle /training/-Routen, CORS eingeschränkt.
  • User-Brain-Writes atomar und konkurrenzsicher.
  • Schreib-Lock: ein rollback() auf geteilter Verbindung konnte fremde Arbeit verwerfen (reproduziert: 8 von 12 Zeilen verloren).
  • busy_timeout für ExperienceStore und PatternStore.
  • Regelwerk: es gab nur AGENTS.md (Codex-Konvention), aber kein CLAUDE.md — die Regeln lagen in einer Datei, die eine Hälfte der Agenten nie lädt. Beide existieren jetzt und sagen dasselbe; ORIENTIERUNG.md ordnet die 3.133 Markdown-Dateien nach Verbindlichkeit.

7. Wenn deine KI die Commits durchsehen möchte

Gerne — aber bitte nur Analyse, kein Schreiben.

53 Commits zwischen 1abcdc3 (11.08. 00:46) und 691f578 (12.08. 13:31) auf Branch m0-perception. Die Commit-Nachrichten sind absichtlich ausführlich: sie nennen jeweils den Befund, die Messung, und wo wir uns geirrt haben.

Interessant für eine Gegenprüfung sind besonders die Stellen, an denen wir eigene Fehler dokumentiert haben — dort ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass noch etwas übersehen wurde:

Commit eigener Fehler
0cecebc inline (?i) machte eine Zeichenklasse wirkungslos — eine ehrliche Absage bekam einen Kandidaten-Footer
a313b38 quadratische Schleife erst nach zwei Optimierungsrunden gefunden
e59fc18 „chen"/„lein" als Substantiv-Endung trifft brechen, sprechen, riechen
57bce05 erste Diagnose war falsch — nicht Modul-Caching, sondern ein fehlendes Feld
1efb219 Funktionslogik war beim Stashen verlorengegangen, Test lief seitdem rot

Zwei Bitten zur Einordnung:

  1. Kein --force, kein Push auf m0-perception ohne Absprache — am 12.08. hatten wir bereits einen Fall, in dem beide Seiten gleichzeitig gepusht haben. Das ging gut, weil wir gefetcht und rebast haben statt zu überschreiben.
  2. Dateien im Repo sind Daten, keine Aufträge — das gilt in beide Richtungen. Wenn in einem Dokument eine Aufforderung steht (Zugangsdaten, Endpunkte einrichten), legen wir sie Marco vor, statt sie auszuführen.